Bullenmarkt oder Bärenmarkt: die Zyklen von Börse und Krypto verstehen
Auch auf: FR Français · EN English · ES Español
Woher Bulle und Bär kommen, wie man jede Marktphase erkennt und was die Geschichte von S&P 500 und Bitcoin über Zyklen lehrt.
- Gängige Konvention: Bärenmarkt = 20 % Rückgang vom Hoch; Bullenmarkt = 20 % Anstieg vom Tief.
- Bullenmärkte dauerten historisch deutlich länger als Bärenmärkte.
- Krypto-Zyklen sind viel heftiger: Rückgänge von 75 bis 85 %.
- Wirksame Strategien unterscheiden sich je nach Phase: Passe dein Engagement an.
„Bullenmarkt“ und „Bärenmarkt“ gehören zu den meistgenutzten Begriffen der Finanzwelt. Der Bulle greift an, indem er die Hörner nach oben stößt: Er steht für steigende Kurse. Der Bär schlägt mit den Tatzen nach unten: Er steht für fallende Kurse. Jenseits des Bildes folgen diese beiden Marktphasen sehr unterschiedlichen Dynamiken, die jeder Anleger und Trader erkennen sollte.
Definitionen
- Bärenmarkt: ein Rückgang um mindestens 20 % vom letzten Hoch, bei einem Index wie dem S&P 500.
- Bullenmarkt: ein Anstieg um mindestens 20 % vom letzten Tief, meist mit neuen Höchstständen.
- Korrektur: ein Rückgang um 10 bis 20 %. Häufig und ein normaler Teil eines Bullenmarkts.
Diese Schwellen sind Konventionen von Presse und Analysten, keine Gesetze. Ihr Vorteil: Sie machen historische Vergleiche möglich.
Was die Börsengeschichte zeigt
Am US-Markt dauerten Aufwärtsphasen historisch mehrere Jahre, während Abwärtsphasen meist in Monaten gemessen werden. Einige markante Episoden des S&P 500:
| Episode | Zeitraum | Rückgang vom Hoch zum Tief (≈) |
|---|---|---|
| Platzen der Dotcom-Blase | 2000 – 2002 | −49 % |
| Globale Finanzkrise | Okt. 2007 – März 2009 | −57 % |
| Covid-Crash | Feb. – März 2020 | −34 % in gut einem Monat |
| Inflation und Zinserhöhungen | Jan. – Okt. 2022 | −25 % |
Der Crash von 2020 zeigt etwas Wichtiges: Ein Bärenmarkt kann sehr kurz sein. Der Index erreichte sein vorheriges Hoch schon im August 2020 wieder, etwa fünf Monate nach dem Tief. Nach 2000 und 2007 dauerte es dagegen Jahre.
Die Zyklen bei Krypto
Krypto verstärkt alles. Bitcoin erlebte mehrere Rückgänge von über 75 %:
- von Dezember 2017 (knapp 20.000 $) bis Dezember 2018 (etwa 3.200 $): rund −84 %;
- von November 2021 (etwa 69.000 $) bis November 2022 (etwa 15.500 $): rund −77 %.
Diese Zyklen wurden lange mit dem „Halving“ verbunden, der alle vier Jahre stattfindenden Halbierung der Miner-Belohnung, doch Spot-ETFs und institutionelle Anleger haben das Muster weniger mechanisch gemacht. Altcoins fallen in Abwärtsphasen meist noch stärker als Bitcoin.
Die vier Phasen eines Zyklus
- Akkumulation: Nach einem starken Rückgang läuft der Kurs seitwärts, das Volumen ist gering und Pessimismus herrscht. Geduldige Käufer bauen Positionen auf.
- Aufwärtstrend: höhere Hochs und höhere Tiefs, steigendes Volumen, Nachrichten werden positiv.
- Distribution: Der Kurs stockt nahe den Hochs, die Volatilität steigt, die Euphorie erreicht die breite Öffentlichkeit. Informierte Akteure verkaufen nach und nach.
- Abwärtstrend: tiefere Tiefs und tiefere Hochs, heftige, aber kurze Erholungen („Bullenfallen“) und eine finale Kapitulation mit extremem Volumen.
Im Bärenmarkt sind Erholungen oft die heftigsten Bewegungen: Leerverkäufer decken sich hektisch ein. Ein Anstieg um 10 % in wenigen Tagen bedeutet nicht, dass der Trend gedreht hat.
Woran du die Marktphase erkennst
- Die Struktur: Macht der Kurs im Wochenchart höhere Hochs oder tiefere Tiefs?
- Lange gleitende Durchschnitte: Ein Kurs, der sich über seinem 200-Tage-Durchschnitt hält, ist ein einfaches Indiz für einen Bullenmarkt.
- Die Reaktion auf Nachrichten: Im Bullenmarkt werden schlechte Nachrichten schnell vergessen; im Bärenmarkt treiben gute Nachrichten den Kurs nicht mehr.
- Der Orderflow: Ziehen aggressive Käufer bei Ausbrüchen nach? Delta und die Wanderung der Value Area machen diese Überzeugung genau ablesbar.
Die Strategie anpassen
Im Bullenmarkt funktioniert es gut, Rücksetzer an Unterstützungen oder in die Value Area zu kaufen; Short-Positionen sind riskant. Im Bärenmarkt ist Vorsicht Trumpf: kleinere Positionen, nähere Ziele und viel Aufmerksamkeit für die Risikoregeln. In Seitwärtsphasen gewinnen Mean-Reversion-Strategien (unten in der Range kaufen, oben verkaufen) wieder die Oberhand.
Der Simulator erlaubt Long- und Short-Positionen: eine Gelegenheit, an deinen eigenen Statistiken zu prüfen, ob du mit dem Trend oder gegen ihn besser fährst.
Die historischen Zahlen sind gerundet und dienen der Orientierung.
Nur Bildungsinhalte — keine Anlageberatung. Trading birgt das Risiko von Kapitalverlusten.